Reise in den eiskalten Norden oder der Moment wenn einem die Wimpern und Haare einfrieren

Anreise: 17 Stunden im Zug

Nach der Arbeit um 17 Uhr brachen wir mit dem Zug auf die lange Reise in den Norden von Schweden auf. Wir hatten uns für die 17-stündige Fahrt Betten geleistet und so war es in unserem Sechserabteil zu viert auch recht angenehm. Bis Stockholm waren wir auch noch alleine, doch dann kam ein Pärchen und sie wollten schlafen. Natürlich kann man das wie normale Menschen nicht persönlich sagen, sondern muss den Schaffner um Hilfe holen. Aber gut, Schweden eben 😉 Und so wurde eben geschlafen. Es war ziemlich kalt und sogar die Scheibe fror ein. Dennoch verging die Reise wirklich schnell und wir kamen gegen Mittag in unserem Ziel Boden an. Zwar mit einer Stunde Verspätung aber bei 17 Stunden Fahrt macht das ja den Braten auch nicht fett!  Von dort mussten wir einen Bus nehmen um am endgültigen Ziel anzukommen, jedoch nicht ohne uns vorher mit Proviant für die nächsten Tage einzudecken.

Sauna und Schnee

Nach der langen Reise waren wir ziemlich kaputt. Deshalb haben wir den ersten Tag entspannt in der Sauna ausklingen lassen. Von dort sind wir direkt in den eiskalten Schnee gerannt und haben uns dort gerollt. Die Vermieterin hat uns geraten, es genau so zu machen. Leider haben wir vor lauter Übermut nicht bedacht, dass da ja ein Weg mit Steinen ist. Aber außer ein paar Schrammen ist uns nichts weiter passiert. In dieser Nacht haben wir immer wieder nach draußen geschaut, um die Nordlichter zu sehen. Wir sind genau zu der Stelle an der uns gesagt wurde wenn sie auftauchen sind sie dort. Aber leider war es viel zu bewölkt und laut der Vorhersage waren sie auch gerade über Kanada. Und dabei hatte die Vermieterin gesagt, alle Gruppen die 2015 da waren bis auf eine haben immer die Nordlichter gesehen. Naja, wie mit den Pinguinen eben… 😀 Um 3 sind wir dann auch ins Bett, denn die Aussicht, dass wir sie bald sehen würden lief eher gen null.

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Schlittenfahren und Waldspaziergang

Unserer guten Laune tat das aber natürlich keinen Abbruch 🙂 Vor uns lag ja auch ein Tag mit Sonnenschein, Schlitten zum Ausleihen und einer traumhaften Winterlandschaft. Wir haben Schweden beim Fischen beobachtet und sie haben uns erklärt wie sie das machen (auf Schwedisch!) Die Angel sah ziemlich mikrig aus, aber sie meinten das reicht. Sie mussten in die 3 Meter dicke Eisschicht Lächer bohren, um überhaupt an das Wasser zu kommen. Mein Schwedisches Hörverstehen hat sich schon ziemlich verbessert, jedenfalls verstehe ich deutlich mehr als am Anfang 😀 Nach einer Stärkung mit Mittagessen und Tee ging es weiter durch den Schnee und in den Wald. Immer an unserer Seite war der Hotelhund. Er war anscheinend froh, dass er nicht alleine spazieren gehen muss 😉 Im Wald war der Schnee ziemlich hoch und so konnten wir nicht sehr weit laufen. Aber es war eine sehr verwunschene Landschaft. In der Nacht gab es leider wieder keine Nordlichter zu bewundern, denn es war einfach zu bewölkt.

Fahrt ins anliegende Dorf

Am nächsten Tag war schon Abreisetag, aber wir hatten noch bis 3 Uhr um uns die Zeit zu vertreiben. So fuhren wir mit den Schlitten ins anliegende Dort. Das war 100 % so wie man sich Schweden vorstellt. Kleine süße, rote Holzhäuschen, Birken und Tannen und ganz viel Schnee. Daneben ein zugefrorener See. Die Sonne geht im Norden auch nie so richtig auf. Also es ist schon hell, aber man sieht den ganzen Tag über noch die rosa Wolken und die Sonne sieht man nie direkt. Und um 3 Uhr nachmittags ist es auch schon stockdunkel. Wirklich einzigartig. Das glaubt man nicht, wenn man es nicht mit seinen eigenen Augen sieht. Es war an diesem Tag viel kälter als die Tage zuvor und so sind uns die Haare (ja die Haare!) und die Wimpern eingefroren. Auch etwas, was ich nicht geglaubt hätte. Es fühlt sich wirklich komisch an. Es ist ganz schwer zu blinzeln und manchmal verhaken sich die Eistropfen ineinander. Wirklich ein unbeschreibliches Gefühl auch das muss man erlebt haben, um es zu verstehen.

Rückreise mit Komplikationen

Um 3 ging es dann also zurück mit dem Auto zum Bahnhof. Doch natürlich waren das bisher eindeutig zu wenig Komplikationen auf einer Reise. Doch das sollte sich noch ändern. Als wir ankamen stand auf der Anzeigetafel unser Zug sei Inställt. Ja, das heißt er fällt aus! Super, dachten wir uns. Unter der angegebenen Hotline war auch niemand zu erreichen und so mussten wir den Cafébesitzer im Bahnhof um Hilfe fragen. Hat er dann auch gemacht und wir haben circa 40 Minuten mit einem Mitarbeiter der schwedischen Bahn telefoniert. So haben wir neue Plätze bekommen im späteren Zug. So hieß es also 7 Stunden auf den nächsten Zug warten. Irgendwo im nirgendwo bei Eiseskälte. Wir haben uns ab und zu die Beine vertreten, aber es war wirklich saukalt. Nach 10 Minuten sind einem immer die Wimpern eingefroren und die Beine sowieso. Also haben wir das nur zweimal gemacht und waren froh, als wir endlich in den Zug einsteigen konnten (der natürlich auch noch eine halbe Stunde Verspätung hatte). Die Fahrt nach Stockholm verlief eigentlich ohne Probleme. Jedoch hatten wir am Ende eineinhalb Stunden Verspätung, weshalb wir den Anschlusszug verpassten. Im Reisezentrum haben sie uns dann aber glücklicherweise sogar First Class Tickets gegeben und Voucher für kostenloses Essen im Zug. Jackpot 🙂 Wir haben uns gefühlt wie die Könige und alles an Essen und Trinken genommen, was wir tragen und essen konnten. Eigentlich ja klar 😉 25 Stunden später also waren wir endlich in Göteborg! Und es war merkwürdigerweise richtig warm bei -5 Grad im Gegensatz zum eiskalten Norden!

Zum Abschluss bleibt nur zu sagen, wir haben zwar nicht die Nordlichter gesehen, aber doch einige neue Erfahrungen im hohen Norden gemacht und wer weiß, manchmal sieht man die Nordlichter ja auch in Göteborg wenn man ganz viel Glück hat 😉

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