Verrückte Chilenen

Da meine Zeit in Santiago langsam aber sicher zu Ende geht, dachte ich es wird mal Zeit ein Fazit zu ziehen. Deshalb dachte ich, ich schreibe mal über Sachen und Situationen, die hier definitiv anders sind als in Deutschland und in denen man Deutschland manchmal schon ein bisschen vermisst 😉

  1. Uni
    Die Uni ist hier wie ich schon mal geschrieben habe, sehr anders. Die Klassen sind kleiner und die Atmosphäre ist eher wie in einer Schule als in einer Uni. Es gibt drei Prüfungsphasen und Controles, das sind kleinere Prüfungen. In Deutschland ist man da ja eher freiere Zeiteinteilung gewöhnt und ob mein ein Buch gelesen hat oder nicht interessiert den Dozenten dann doch eher wenig. Hier ist es eben persönlicher, aber das darf man ja vielleicht auch erwarten wenn die Eltern ca. 300000 Pesos (das sind ungefähr 400 Euro)pro Monat hinblättern 😀
    Hier ist es auch nicht besonders wichtig, welche Noten man hat, denn es gibt sehr viele die fast gar nichts lernen. Die Noten reichen von 1 bis 7, wobei 1 bis 3 durchgefallen ist. So wie bei uns 5 sozusagen. Sieben ist das Beste. Aber alles über 5 wird als gut angesehen und alles über 6 ist super. Die Skala ist also ein bisschen verschoben im Vergleich zu unserer Einteilung. Was mir aber gut gefällt ist die praktische Anwendung der Theorie. Zum Beispiel waren wir mit einer Klasse in einer Firma und haben uns dort die Fabrik angeschaut und mit einer anderen waren wir in einem Park und haben praktische Übungen zu Führungsstilen und Teambuilding gemacht. Kreativität wird hier auch groß geschrieben, denn wir haben sehr oft neue Produktideen oder Werbestrategien entwickelt. Oder wir mussten immer kleine Vorträge halten, in denen wir die Theorien am Beispiel einer real existierenden Firma erklären. Das hilft den Stoff besser in der Praxis anzuwenden und das machen wir in Deutschland in der Uni eher selten. Man muss in Deutschland eben mehr Selbstverantwortung zeigen. Auch in Bezug auf Anwesenheit, denn man wird immer abgehakt wenn man da ist. Insgesamt benötigt man 75 % Anwesenheit, um den Kurs zu bestehen. Ich bin schon froh, dass ich mir darüber in Deutschland keine Gedanken machen muss. 😀 Auch die Einstellung mancher Chilenen an meiner Uni lässt ein bisschen zu wünschen übrig. Manchmal kommen sie eine Stunde zu spät und marschieren dann ganz lässig mit Sonnenbrille ins Klassenzimmer und sagen „Hola, Profe“. Es gibt natürlich auch fleißige Studenten, aber das ist mal ein Negativbeispiel. Insgesamt habe ich in dem halben Jahr auf jeden Fall viel gelernt in der Uni. Vor allem Spanisch, Wirtschaftsvokabeln in Spanisch und Flexibilität, denn fast nie läuft es hier so wie eigentlich geplant 😉
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  2. Umweltbewusstsein
    Ja, die Chilenen sind nicht besonders umweltbewusst. Manchmal gibt es zwar Mülltrennung aber normalerweise wird alles in einen Mülleimer geworfen. Da blutet dem Deutschen das Herz, wenn er die Batterien zum Biomüll wirft 😀 Und die Mülltüten im Supermarkt das ist echt der Supergau. Man bekommt jedes Mal für 5 Sachen drei Plastiktüten. Denn es ist nicht gut wenn die Milchpackung die Butter berührt. Wenn eine Familie also einen Großeinkauf tätigt, hat sie mindestens 30 Tüten im Einkaufswagen. Nur um sie dann ins Auto zu laden. So eine Umweltverschmutzung! Man kann seine Sachen auch nicht selber in die Tüten packen, denn dafür gibt es Personal, dem man dann Trinkgeld gibt. Wenn ich meine eigene Tüte mitbringe und meine Einkäufe dort reinpacke, werden sie manchmal sogar ein bisschen genervt. Aber ich finde das einfach unnötig und mache es lieber selber.
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  3. Sicherheitsleute und Minijobs
    Wie gerade beschrieben gibt es sehr viele winzige Jobs, aus denen man in Deutschland aus Rationalisierungsgründen weniger Jobs machen oder sie ganz abschaffen würde. Zum Beispiel die Tüteneinpacker oder auch Sicherheitsleute. Es gibt überall Sicherheitsleute, das ist unglaublich. In unser Haus kommt auch immer nachts ein Mann und passt auf, dass nichts passiert. Oder im Supermarkt gibt es Sicherheitsleute, die nichts tun außer aufzupassen. So hat auch jedes Haus immer eine Putzfrau und einen Gärtner, das ist hier normal
  4. Zeitmanagement
    Wie man sich fast schon denken kann, sind die Chilenen fast immer zu spät. Am Anfang haben Sophie und ich uns immer verkalkuliert. Wir waren IMMER die ersten. Am Ende sind wir dann immer ca. eineinhalb Stunden später losgegangen, waren immer noch die ersten, aber die anderen kamen dann innerhalb von 15 Minuten 😉 Auch im Unterricht wird Pünktlichkeit nur bei manchen Profs groß geschrieben. Meistens trudeln die Studenten so nach und nach nach Unterrichtsbeginn ein. Man merkt, dass man selber nach einer Zeit auch ein bisschen das Zeitgefühl verändert und sich kein bisschen schlecht fühlt, wenn man mal 15 Minuten zu spät ist. Man passt sich eben an die schlechten Angwohnheiten an 😀
  5. Apotheken
    Ich hätte nie gedacht, dass Apotheken so anders sein könnten, aber ja! Zuerst einmal ist es mehr wie ein Drugstore aufgebaut, der alles an Kosmetik und Hygieneartikeln anbietet. Dann muss man eine Nummer ziehen, ja eine Nummer. Und dann wartet man… Bis die Nummer auf dem Bildschirm erscheint. Die meisten Artikel im Laden kann man selber aus dem Regal nehmen, aber sehr viele sind eingeschlossen oder festgebunden. Es wird wohl sehr viel gestohlen in den Apotheken, denn Sicherheitsleute gibt es natürlich auch. Ist schon ein wenig merkwürdig, wenn einem dann eine Shampooflasche von einer Kette abgemacht wird, als wäre es eine teure Uhr.
  6. Busfahren
    Das Busfahren… ja da habe ich auch so meine Erfahrungen mit gemacht 😀 Also Busfahrpläne gibt es hier wirklich nicht. Man stellt sich einfach an die Haltestelle und wartet bis der Bus kommt. Manchmal hat man Glück und er kommt gleich. Manchmal hat man aber auch Pech und man wartet 20 Minuten. Dann kommen aber bestimmt gleich drei Busse hintereinander! Man darf auch nicht vergessen, die Hand rauszustrecken, sonst hält der Bus nicht. Ist ein bisschen wir Trampen. Meistens ist der Bus ziemlich voll, besonders zur Rush-Hour ist es einfach nur Horror. Nichts für Personen mit Platzangst, aber man gewöhnt sich einfach dran.
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  7. Straßenhunde
    Die gibt es hier überall und sie sind meistens sehr lieb und folgen einem auf Schritt und Tritt. Tut einem schon immer Leid, wie viele davon auf der Straße leben, aber sie werden von manchen Chilenen gefüttert und die meisten sehen ganz gut genährt aus.
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  8. Mode
    Mode in Chile und in Südamerika ist sehr anders. Vor allem für Frauen. Fast alle haben sehr lange Haare. Außerdem sind Schlaghosen hier modern und was für welche. Dazu zieht man dann Plateaustiefel und bauchfreie Tops an. Erinnert ja ein bisschen an frühere Zeiten in Deutschland. 😀 Bei den Jungs ist es chic Vokuhila zu tragen oder auch Rattenschwänzchen. Ganz schrecklich ist, wenn der Vokuhila hinten mit einem einzigen Dread vervollständigt wird!
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  9. Chilenen
    Neben ihrem anderen Sinn für Mode sind die Chilenen natürlich auch in ihrem Verhalten ein wenig anders 😉 Zum Beispiel lieben es die Chilenen zu Singen. Im Bus, in der Metro, in der Karaokebar. Ob man gut singt spielt eigentlich keine Rolle, hauptsache immer schön laut 😀 Eine andere typische Eigenheit der Chilenen ist, dass sie immer ein Begrüßungsinterview durchführen. Erstmal wird gefragt warum Chile?? Dann wie lange man schon da ist wie lange man noch bleibt, ob einem Chile gefallen hat, ob einem die chilenischen Männer gefallen haben usw… Man kann immer genau sagen, welche Frage als nächstes kommen wird, aber süß ist es ja, dass sie so viel Interesse zeigen 😉 Außerdem haben Chilenen definitiv ein anderes Kälteempfinden! Seit März oder April laufen Leute mit Mütze und Schal herum, auch wenn wir es noch nicht so kalt empfanden 😀
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    Vielleicht sieht man es im Hintergrund: den Leuten war kalt, aber wir fanden es angenehm zum Baden 🙂
    Aber alles in Allem sind die Chilenen nicht so viel anders als die Deutschen, oder wie man hier sagt Buena Onda 😉
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